Importware kommt häufig mit einem Etikett in der Sprache des Herstellerlandes an – und braucht für den deutschen oder österreichischen Handel ein Zusatzetikett. Klingt einfach, ist in der Praxis aber eine Platzierungsaufgabe: Das neue Etikett soll gut lesbar sein, darf aber weder den Barcode des Originals noch dessen Texte unkontrolliert verdecken, es muss auf der vorhandenen Fläche sicher halten, und es soll bei zehntausenden Stück an derselben Stelle sitzen. Dieser Beitrag zeigt, wie wir die richtige Stelle finden, was bei Barcodes zu beachten ist, wie mit schon palettierter Ware umgegangen wird und was das Ganze kostet.
Wo darf das Zusatzetikett auf der Importverpackung sitzen?
Die Stelle ergibt sich aus drei Fragen: Was muss vom Original sichtbar bleiben? Wo ist genug ebene oder gleichmäßig gewölbte Fläche? Wo sucht der Kunde im Regal die Information? Wir fotografieren deshalb zuerst alle Seiten der Verpackung und markieren die Zonen:
| Zone auf der Verpackung | Als Klebefläche geeignet? | Hinweis |
|---|---|---|
| Barcode des Originals mit Ruhezone | nein, außer er soll bewusst ersetzt werden | Ruhezone links und rechts ebenfalls frei halten |
| Chargen- oder Datumsaufdruck | nein | muss sichtbar bleiben, sonst ist die Ware nicht mehr zuzuordnen |
| Öffnungslasche, Perforation, Siegelnaht | nein | das Etikett würde beim Öffnen reißen oder die Öffnung blockieren |
| Rückseite mit fremdsprachigem Fließtext | meist ja | nur Text überdecken, der nach Ihrer Vorgabe entbehrlich ist |
| Boden oder Seitenfläche | oft ja | gut bei stapelbarer Ware, schlecht bei Ware, die liegend im Regal steht |
| Prägung, Sichtfenster, Rundung mit kleinem Radius | nur eingeschränkt | Etikett hebt sich an den Kanten ab, Muster zwingend |
Welche Texte auf dem Zusatzetikett stehen und welche Angaben des Originals sichtbar bleiben müssen, entscheiden nicht wir. Welche Angaben Pflicht sind, legt Ihre Fachabteilung fest – wir setzen Ihre Vorlage um und prüfen Position, Vollständigkeit und Lesbarkeit. Unsere Aufgabe ist, Ihre Entscheidung Stück für Stück gleich umzusetzen.
Was passiert mit dem Barcode des Originals?
Hier gibt es zwei saubere Wege und einen, der Ärger macht. Sauber ist erstens: Der Originalbarcode bleibt gültig und frei, das Zusatzetikett trägt keinen eigenen Code. Sauber ist zweitens: Die Ware bekommt eine neue Artikelnummer, der alte Barcode wird vollständig und deckend überklebt, und nur der neue Code ist lesbar. Ärger macht die Mischform – zwei unterschiedliche, beide lesbare Codes auf einer Packung. An der Kasse oder im Wareneingang des Handels wird dann mal der eine, mal der andere gescannt.
Wenn der alte Code überklebt wird, muss das Deckmaterial wirklich blickdicht sein; ein weißes Standardetikett lässt dunkle Balken oft durchscheinen, und ein Scanner liest manchmal noch durch. Wie man das vermeidet, erklärt der Ratgeber Etiketten überkleben. Die Lesbarkeit von Barcodes prüfen wir stichprobenweise mit dem Handscanner – eine Bewertung der Druckqualität mit Prüfgeräten nach Norm gehört nicht dazu.
Wie wird die Position bei zehntausenden Stück gleich gehalten?
Aus Ihrer Freigabe entsteht eine Schablone: ein Anschlag, an den die Packung gelegt wird, und eine Markierung, an der das Etikett ansetzt. Bei runden Dosen oder Flaschen dient die Naht oder ein Merkmal des Originaletiketts als Bezug, damit das Zusatzetikett immer im gleichen Abstand daneben sitzt. Auf ebener Fläche sitzt das Etikett in der Regel auf ±2 mm genau (Richtwert); die verbindliche Toleranz halten wir mit dem Erstmuster fest. Nach einer festen Zahl von Stücken misst die Schichtleitung nach; weicht die Lage ab, wird die Schablone korrigiert, bevor weitere Kartons fertig werden.
Unterschiedliche Lieferchargen des Importeurs sind dabei eine eigene Fehlerquelle: Hat der Hersteller zwischendurch das Layout geändert, liegt der Barcode plötzlich an anderer Stelle. Deshalb prüfen wir beim Wareneingang je Lieferung ein Stück gegen das Musterfoto und melden Abweichungen noch am selben Tag.
Wie wird Ware etikettiert, die schon im Umkarton auf der Palette steht?
Importware kommt meist fertig palettiert: Karton auf Karton, jeweils mit 12, 24 oder 48 Einheiten. Das Etikettieren besteht dann aus drei Teilschritten – Karton öffnen und Einheiten entnehmen, etikettieren, wieder in denselben Karton einsetzen und verschließen. Die Umverpackung bleibt dieselbe; wird sie beim Öffnen beschädigt, ersetzen wir sie nach Absprache durch einen neutralen Karton aus Ihrem Bestand. Neu verpackt oder neu zusammengestellt wird dabei nichts – wer die Ware in andere Gebinde bringen will, findet diese Leistung als eigenes Angebot auf apool.de.
Wichtig ist, dass die Kartons danach wieder zu den Palettenetiketten passen. Wir vermerken im Protokoll je Charge, wie viele Einheiten aus welchen Kartons etikettiert wurden, und bringen bei Bedarf ein Karton- oder Palettenetikett nach Ihrer Vorlage neu an.
Was kostet das Umetikettieren von Importware?
Drei Varianten desselben Auftrags: 30.000 Einheiten, Zusatzetikett nach Millimetervorgabe, Anlieferung aus einem Lager in Süddeutschland, 424 km, 8 Paletten hin und zurück. Kalkulationssatz 16,50 € je Stunde:
| Variante | Sekunden je Stück | Arbeit | Gesamt mit Transport | je Stück |
|---|---|---|---|---|
| lose angeliefert, nur Zusatzetikett | 12 s | 1.650 € | 3.380 € | 11,3 ct |
| im Umkarton, Auspacken und Einsetzen | 19 s | 2.612 € | 4.342 € | 14,5 ct |
| im Umkarton, alter Barcode deckend überklebt | 27 s | 3.712 € | 5.442 € | 18,1 ct |
Richtwerte 2026 – unverbindlich. Ihr konkretes Angebot erhalten Sie nach Anfrage und Muster. Als Spanne für die reine Arbeit gelten 4 ct – 10 ct je Etikett und 8 ct – 18 ct je Stück, wenn überklebt oder ausgepackt werden muss. Der Transport ist bei diesem Auftrag ein großer Posten; lassen Sie die Ware deshalb möglichst direkt vom Hafen oder vom Grenzlager zu uns liefern statt erst in Ihr eigenes Lager. EU-Binnenmarkt – kein Zoll, keine Ausfuhranmeldung; Lieferschein und Pro-forma-Rechnung für den Warenverkehr genügen.
Welche Unterlagen braucht der Etikettierdienstleister von Ihnen?
- Fotos aller Seiten der Verpackung, am besten je Artikel und je Lieferant.
- Das Zusatzetikett als Druckdatei oder Muster, dazu die Etiketten selbst. Bitte liefern Sie 3–5 % Reserve-Etiketten mit (Richtwert) – für das Erstmuster, für Etiketten mit Druckfehlern und für Nachklebungen.
- Die Positionsangabe mit Bezugskante und der Liste dessen, was frei bleiben muss – der Ratgeber Etikettiervorgabe erstellen zeigt, wie.
- Die Liste der Lieferungen mit Artikelnummern, Mengen und Lieferdatum, damit wir jede Palette zuordnen können.
- Den Liefertermin und die Zieladresse für die Rücklieferung.
Mit diesen Angaben erhalten Sie das Angebot binnen 24 Stunden; die Abholung organisieren wir ebenfalls binnen 24 Stunden.
Wie schnell ist Importware wieder verkaufsfertig?
Das Erstmuster mit Positionsangabe in Millimetern und Foto erhalten Sie am Tag des Wareneingangs; nach Ihrer Freigabe startet die Serie am Folgetag. Ab dann verteilen wir die Menge auf so viele Plätze, wie der Termin verlangt. Ein Auftrag wie oben braucht rund 158 Arbeitsstunden und ist damit meist innerhalb eines Arbeitstags etikettiert; die Rücklieferung kann direkt an das Zentrallager Ihres Handelspartners gehen. Mehr zur Leistung finden Sie unter Länderetiketten und mehrsprachige Kennzeichnung und Umetikettieren und Überkleben, die Etikettenart unter Länder- und Sprachetikett, die Begriffe im Lexikon unter Länderetikett und Umetikettieren.